SQL Server 2025 –
Neuerungen und ihre
Relevanz im Bankenumfeld
SQL Server 2025 ist das umfangreichste Release seit SQL Server 2016. KI-Integration, verbesserte Sicherheit, neue Kompressionsverfahren und Performance-Optimierungen – dieser Artikel bewertet, was davon im regulierten Bankenumfeld tatsächlich einsetzbar ist.
PREVIEW_FEATURES. Bewertungen für das Bankenumfeld sind redaktionelle Einschätzungen – keine Rechts- oder Complianceberatung.
SQL Server 2025 – intern als Version 17.x geführt – wurde im November 2025 allgemein verfügbar gemacht. Microsoft bezeichnet es als das bedeutendste Release seit SQL Server 2016 und hat mehr als 50 Verbesserungen am Datenbankmotor vorgenommen. Im Zentrum stehen drei Themenblöcke: die native Integration von KI-Funktionalität direkt in den SQL-Server-Motor, eine erheblich gestärkte Sicherheitsarchitektur sowie Performance- und Verfügbarkeitsverbesserungen.
Für Unternehmen im Bankenumfeld stellt sich bei jedem neuen Release dieselbe Frage: Was davon ist im regulierten, sicherheitssensitiven und oft konservativ geprägten Betriebsumfeld einer Bank tatsächlich nutzbar – und was bleibt vorerst ein technologisches Versprechen? Diese Frage beantworten die folgenden Abschnitte für jede der wesentlichen Neuerungen.
Nativer VECTOR-Datentyp und Vektorsuche
Die bedeutendste Neuerung in SQL Server 2025 ist die native Integration von KI-Funktionalität direkt in die Datenbankmaschine. Kern ist der neue VECTOR-Datentyp, der hochdimensionale numerische Vektoren (sogenannte Embeddings) direkt in SQL-Server-Tabellen speichert. Damit wird ein separates Vektordatenbankystem wie Pinecone oder Milvus überflüssig.
Embeddings sind mathematische Repräsentationen von Texten, Dokumenten oder anderen Daten, die von KI-Modellen erzeugt werden. Der entscheidende Vorteil: Zwei semantisch ähnliche Texte erzeugen ähnliche Vektoren – unabhängig davon, ob sie identische Wörter enthalten. Das ermöglicht eine sogenannte semantische Suche, die Bedeutung statt Zeichenketten vergleicht.
Technische Umsetzung
SQL Server 2025 stellt folgende neue Sprachmittel bereit:
- VECTOR(n) – Datentyp für Vektoren mit bis zu 1998 Dimensionen (GA) bzw. ~4000 mit 16-Bit-Präzision (Preview)
- VECTOR_DISTANCE() – Berechnet die Distanz zwischen zwei Vektoren (Kosinus, Euklidisch, Dot Product)
- AI_GENERATE_EMBEDDINGS() – Erzeugt Embeddings direkt in T-SQL per registriertem KI-Modell
- VECTOR_SEARCH() – Approximate Nearest Neighbor Suche mit DiskANN-Index (Preview)
- CREATE VECTOR INDEX – DiskANN-basierter Index für schnelle Ähnlichkeitssuche (Preview)
- AI_GENERATE_CHUNKS() – Teilt lange Texte in Segmente für Embedding-Pipelines
- CREATE EXTERNAL MODEL – Registriert externe KI-Modelle (Azure OpenAI, Ollama, ONNX) als Datenbankobjekte
- sp_invoke_external_rest_endpoint – Ruft REST-APIs aus T-SQL auf
-- KI-Modell als Datenbankobjekt registrieren CREATE EXTERNAL MODEL Ada2Embeddings WITH ( LOCATION = 'https://mein-openai.openai.azure.com/', API_TYPE = 'azure_openai', API_KEY = '...', MODEL = 'text-embedding-ada-002' ); GO -- Embeddings direkt in T-SQL erzeugen und speichern UPDATE dbo.Dokumente SET Embedding = AI_GENERATE_EMBEDDINGS(Inhalt USE MODEL Ada2Embeddings) WHERE Embedding IS NULL; -- Semantische Suche: Ähnlichste Dokumente zu einer Frage DECLARE @FrageVektor VECTOR(1536) = AI_GENERATE_EMBEDDINGS(N'Welche Dokumente behandeln Kreditrisiko?' USE MODEL Ada2Embeddings); SELECT TOP (10) d.DokumentID, d.Titel, VECTOR_DISTANCE('cosine', @FrageVektor, d.Embedding) AS Distanz FROM dbo.Dokumente d ORDER BY Distanz;
VECTOR_DISTANCE() sind im RTM allgemein verfügbar. Die Vektorindizierung via DiskANN (CREATE VECTOR INDEX) und die VECTOR_SEARCH()-Funktion sind hingegen noch in Preview und müssen per ALTER DATABASE SCOPED CONFIGURATION SET PREVIEW_FEATURES = ON explizit aktiviert werden. Microsoft plant die GA-Freigabe innerhalb von 12 Monaten nach RTM.
Kurz- bis mittelfristig: niedriges Adoptionspotenzial für den Kernbetrieb, mittleres Potenzial für Spezialanwendungen.
Die technologische Neuerung ist bedeutsam, aber im regulierten Bankenumfeld stehen ihr mehrere Hürden entgegen. Erstens ist der Einsatz externer KI-Modelle (Azure OpenAI, OpenAI) mit dem Abfluss von Bankdaten an externe Dienste verbunden – das kollidiert direkt mit Datenschutzanforderungen (DSGVO, MaRisk, BAIT) und internen Datenklassifikationsrichtlinien. On-Premises-Modelle via Ollama oder ONNX sind eine Alternative, erfordern aber eigene MLOps-Infrastruktur.
Zweitens sind Vektorindizes noch in Preview – für produktive Kernsysteme einer Bank (Kreditvergabe, Zahlungsverkehr) ist das ein Ausschlusskriterium.
Realistische Einsatzbereiche: Interne Wissenssuche über Regulierungsdokumente, Compliance-Handbücher oder interne Richtlinien (RAG-Muster); Anomalieerkennung in Transaktionsprotokollen als ergänzende Detektionsschicht; semantische Kategorisierung von Kundenkorrespondenz. Diese Anwendungen arbeiten auf internen Daten ohne externe Modellaufrufe – wenn lokale Inferenz genutzt wird.
TLS 1.3, Zero Trust, Entra ID und PBKDF
SQL Server 2025 führt die umfassendste Überarbeitung der Sicherheitsarchitektur seit vielen Jahren durch. Die Änderungen sind teilweise als Breaking Changes implementiert – das heißt, bestehende Konfigurationen können nach einem Upgrade ohne Anpassung nicht weiterverwendet werden.
TLS 1.3 als Standard
Alle Neuinstallationen von SQL Server 2025 verwenden standardmäßig TLS 1.3. Verbindungsstrings ohne explizite Verschlüsselung (Encrypt=True) werden abgelehnt. Ältere OLE DB Driver-Versionen (vor Version 19) können mit SQL Server 2025 Verbindungsprobleme haben, insbesondere bei Linked Servers.
Microsoft Entra ID (ehemals Azure AD)
SQL Server 2025 integriert Microsoft Entra ID für Identitäts- und Zugriffsverwaltung. Das umfasst Multi-Faktor-Authentifizierung, rollenbasierte Zugriffskontrolle (RBAC) und Conditional Access Policies. Neu: Managed Identities für ausgehende Verbindungen – SQL Server kann Azure-Dienste ohne hart codierte Credentials ansprechen.
PBKDF für Passwortschutz
SQL Server 2025 verwendet für lokale SQL-Logins nun eine passwortbasierte Schlüsselableitungsfunktion (PBKDF) gemäß NIST SP 800-63b. Das erhöht den Schutz gegen Brute-Force-Angriffe auf gespeicherte Passwort-Hashes erheblich.
Granulares Security Cache Invalidation
Statt bei Berechtigungsänderungen den gesamten Sicherheits-Cache zu invalidieren, werden nun nur die betroffenen Login-Einträge ungültig. Das reduziert die Performance-Auswirkungen in hochfrequentierten Systemen mit vielen parallelen Verbindungen deutlich.
Hohes Adoptionspotenzial – die Sicherheitserweiterungen sind die stärksten Argumente für ein Upgrade im Bankenumfeld.
TLS 1.3 als Standard erfüllt unmittelbar Anforderungen aus BAIT, VAIT, ISO 27001 und BSI-Grundschutz, die aktuelle Transportverschlüsselung verlangen. Die Entra ID-Integration entspricht dem Zero-Trust-Prinzip, das zunehmend von Bankenaufsichten erwartet wird. PBKDF für SQL-Logins ist eine direkte Antwort auf NIST-Vorgaben.
Achtung Migration: Die Breaking Changes bei Linked Servers und Replikation erfordern sorgfältige Vorbereitung. In Bankenumgebungen mit vielen Systemverbindungen (Meldewesen, Kernbanksystem, Data Warehouse) ist ein vollständiger Vorab-Test in einer isolierten Staging-Umgebung unerlässlich. Ältere Verbindungstreiber in Legacy-Anwendungen müssen identifiziert und aktualisiert werden.
OPPO, IQP-Erweiterungen und ZSTD-Kompression
SQL Server 2025 enthält mehr als 40 Engine-Verbesserungen, von denen einige ohne Code-Änderungen wirksam werden. Die wichtigsten betreffen Query-Optimierung, Columnstore-Indizes und Backup-Kompression.
Optional Parameter Plan Optimization (OPPO)
OPPO adressiert das seit Jahren bekannte Parametersniffing-Problem: SQL Server wählt den Execution Plan beim ersten Aufruf einer Abfrage mit bestimmten Parameterwerten und cached diesen Plan. Bei späteren Aufrufen mit stark abweichenden Parametern kann der gecachte Plan suboptimal sein. OPPO ermöglicht es dem Optimizer, für bestimmte Parameterkonstellationen dynamisch einen besseren Plan zu wählen, ohne das explizite OPTION (RECOMPILE) zu benötigen.
Intelligente Abfrageverarbeitung (IQP) – Erweiterungen
- Persistierte Statistiken auf Sekundärreplikaten: Statistiken bleiben nach einem Failover oder Neustart auf Sekundärrepliken erhalten – weniger Kaltstart-Probleme bei HA-Szenarien
- Batch Mode Processing Improvements: Mehrere Zeilen werden gleichzeitig verarbeitet, was CPU-Auslastung bei analytischen Abfragen reduziert
- Ordered Non-Clustered Columnstore Index: Columnstore-Indizes können jetzt mit einer definierten Sortierreihenfolge angelegt werden – ein realer Kunde (Entain) berichtet von über 63 % Verbesserung bei analytischen Workloads
- Query Store für lesbare Sekundäre: Execution Plans von Abfragen auf Always On Sekundärrepliken werden im Query Store erfasst
ZSTD Backup-Kompression
SQL Server 2025 unterstützt den ZSTD-Kompressionsalgorithmus für Backups. ZSTD erreicht typischerweise höhere Kompressionsraten als der bisherige Standard-Algorithmus bei gleichzeitig schnellerer Kompressionsgeschwindigkeit – besonders vorteilhaft bei großen Datenbanken.
-- Backup mit ZSTD-Kompression (neu in SQL Server 2025) BACKUP DATABASE Kernbank TO DISK = N'\\backup\Kernbank_20260419.bak' WITH COMPRESSION, ALGORITHM = 'ZSTD', STATS = 10, CHECKSUM; GO
Hohes Adoptionspotenzial – Performance-Verbesserungen wirken ohne Code-Änderungen, ZSTD senkt Backup-Kosten und Zeitfenster.
OPPO ist besonders wertvoll für Meldewesen-Anwendungen und Reporting-Systeme, die parameterisierte Abfragen über große, ungleichmäßig verteilte Datenmengen ausführen. Da keine Code-Änderungen erforderlich sind, ist das Regressionrisiko gering – ein wichtiges Kriterium im Change-Management regulierter Institute.
ZSTD-Kompression ist für Banken mit täglich mehreren TB Backup-Volumen (Kernsysteme, Archivdatenbanken, Regulierungsdaten) eine direkt wirksame Kostenreduktion. Kleinere Backups bedeuten auch kürzere Backup-Fenster – relevant für RTO-Anforderungen im Notfallbetrieb.
Die Columnstore-Verbesserungen sind für Data Warehouses und Regulatory-Reporting-Systeme (COREP, FINREP, AnaCredit) interessant, da diese Workloads stark von analytischen Index-Typen profitieren.
Always On Verbesserungen und Fabric Mirroring
SQL Server 2025 bringt mehrere Verbesserungen für Always On Availability Groups und Failover-Szenarien – Bereiche, die für Banken mit hohen Verfügbarkeitsanforderungen (RTO/RPO-Ziele, MaRisk AT 7.2) direkt relevant sind.
Always On Failover Groups – Resilienz und Diagnose
Microsoft hat die Resilienz und Performance von Always On Failover Groups verbessert und neue Diagnose- und Tuning-Optionen hinzugefügt. Konkret wurden die internen Synchronisierungsmechanismen optimiert, um unter Last stabilere Latenzen zu erreichen.
Autoreseed für Fabric Mirroring
Für Instanzen, die mit Microsoft Fabric gespiegelt werden: Die neue Autoreseed-Funktion verhindert, dass das Transaktionsprotokoll beim Mirroring überläuft. Zusätzlich kann die maximale und minimale Anzahl der pro Scan verarbeiteten Transaktionen konfiguriert werden.
Fabric Mirroring – Near-Real-Time Analytics Offloading
SQL Server 2025 unterstützt Mirroring nach Microsoft Fabric OneLake im Delta-Parquet-Format. Das ermöglicht Near-Real-Time-Analytik auf operativen Daten, ohne die OLTP-Last zu erhöhen. Die Spiegelung nutzt einen „Change Feed"-Mechanismus, der committed Transaktionslog-Änderungen liest und direkt in Fabric schreibt.
Change Event Streaming zu Azure Event Hubs
Als Alternative zu Change Data Capture (CDC) können Transaktionslog-Änderungen direkt als Ereignisse an Azure Event Hubs gestreamt werden. Das reduziert den I/O-Overhead gegenüber klassischem CDC und ermöglicht event-getriebene Architekturen.
Always On-Verbesserungen: hohes Potenzial. Fabric Mirroring und Event Streaming: stark von regulatorischen Rahmenbedingungen abhängig.
Die internen HA-Verbesserungen und die erweiterten Diagnosemöglichkeiten sind direkt relevant für Banken mit stringenten SLA-Anforderungen. Bessere Failover-Stabilität unter Last verbessert die Einhaltung von RTO-Zielen ohne Infrastruktur-Investitionen.
Fabric Mirroring und Event Streaming nach Azure sind technisch interessant, aber für viele Banken derzeit nur mit erheblichem Compliance-Aufwand einsetzbar. Für Institute, die bereits eine genehmigte Azure-Nutzung haben und eine EU-Datenhaltung nachweisen können, eröffnet sich hier echter Mehrwert für das Reporting Offloading.
Native JSON, RegEx, REST API und neue T-SQL-Funktionen
SQL Server 2025 bringt mehrere Erweiterungen, die den Entwickleralltag vereinfachen – ohne KI-Bezug, dafür mit unmittelbarem praktischen Nutzen.
Native JSON-Unterstützung
JSON-Dokumente können nun nativ verarbeitet werden. Neu ist die Möglichkeit, JSON-Indizes anzulegen und JSON-Felder in relationalen Abfragen effizienter zu durchsuchen als bisher. Das ist eine Weiterentwicklung der in SQL Server 2016 eingeführten JSON-Funktionen.
Reguläre Ausdrücke (RegEx) in T-SQL
SQL Server 2025 führt native RegEx-Unterstützung in T-SQL ein. Das ermöglicht komplexe Mustersuchen und Validierungen direkt in der Datenbank, die bisher CLR-Prozeduren oder Anwendungslogik erforderten.
-- IBAN-Format prüfen mit RegEx SELECT KontoID, IBAN, REGEXP_LIKE(IBAN, N'^[A-Z]{2}[0-9]{2}[A-Z0-9]{4}[0-9]{7}([A-Z0-9]?){0,16}$') AS IBANGueltig FROM dbo.Bankverbindung; -- Ungültige Einträge filtern SELECT * FROM dbo.Bankverbindung WHERE REGEXP_LIKE(IBAN, N'^[A-Z]{2}[0-9]{2}[A-Z0-9]{4}[0-9]{7}([A-Z0-9]?){0,16}$') = 0;
Neue T-SQL-Funktionen
- PRODUCT() – Aggregatfunktion für Multiplikation (Analogon zu SUM)
- GREATEST() / LEAST() – Rückgabe des größten/kleinsten Wertes aus einer Liste
- IS [NOT] DISTINCT FROM – NULL-sicherer Vergleichsoperator
- DATE_BUCKET() – Abbildung von Datumsangaben auf Zeitfenster (nützlich für Zeitreihenanalyse)
In-Memory OLTP deaktivieren ohne Drop
Eine lange vermisste Funktion: Die In-Memory OLTP-Funktion kann jetzt für eine Datenbank deaktiviert werden, ohne speicheroptimierte Tabellen zuvor löschen zu müssen. Das erleichtert Migrationsszenarien erheblich.
Mittleres bis hohes Potenzial – besonders RegEx und IS DISTINCT FROM sind im Bankenkontext direkt nutzbar.
RegEx in T-SQL ist im Bankenumfeld unmittelbar wertvoll: IBAN-Validierung, BIC-Prüfung, Formatvalidierung von Meldedaten (COREP, FINREP) oder Adressdaten ließen sich bisher nur über CLR oder im Anwendungscode realisieren. Die datenbanknahe Validierung ist konsistenter und nicht vom Anwendungskanal abhängig.
Der NULL-sichere IS DISTINCT FROM-Operator verhindert eine ganze Klasse von subtilen Abfragefehlern in Datenmigrationen und Vergleichslogiken – ein echter Qualitätsgewinn für Entwickler.
Native JSON-Indizes sind interessant für Systeme, die bereits JSON-Dokumente (z.B. API-Antworten von Zahlungsdienstleistern) in SQL Server speichern.
Änderungen an Editionen und Kapazitätsgrenzen
SQL Server 2025 bringt einige Änderungen an der Editionsstruktur, die für die Lizenzplanung relevant sind.
| Edition | Änderung in 2025 | Relevanz Banken |
|---|---|---|
| Standard | Kapazität erhöht auf max. 32 Kerne und 256 GB RAM (vorher 24 Kerne / 128 GB). Resource Governor jetzt enthalten. | Relevant – manche Banken nutzen Standard für Non-Core-Systeme |
| Standard Developer | Neue Edition: Kostenlose Entwickleredition mit vollem Standard-Funktionsumfang für Entwicklung & Test | Relevant – Staging-Umgebungen können besser mit Produktion übereinstimmen |
| Express | Max. Datenbankgröße von 10 GB auf 50 GB erhöht. Express Advanced in Standard Express konsolidiert. | Marginal – Express selten in Bankbetrieb |
| Web Edition | Eingestellt – SQL Server 2022 ist die letzte Version. Support bis Januar 2033. | Migrationsplanung – falls noch im Einsatz |
| Enterprise | Power BI Report Server jetzt in allen Editionen außer Express enthalten. | Relevant – SSRS-Ablösung durch PBRS |
Die erhöhten Kapazitätsgrenzen der Standard Edition ermöglichen es, in manchen Fällen auf eine Enterprise-Lizenz zu verzichten – das ist eine direkte Kostensenkungsmöglichkeit, die jedoch sorgfältig gegen die fehlenden Enterprise-Features (z.B. erweiterte Kompression, bestimmte HA-Optionen) abgewogen werden muss. Der Wegfall der Web Edition sollte in der Softwareinventur berücksichtigt werden.
Breaking Changes und Migrationsrisiken
SQL Server 2025 enthält mehr Breaking Changes als vorherige Versionen. Für Banken, die nach BAIT- und MaRisk-Anforderungen Change- und Release-Management betreiben, ergibt sich daraus ein erhöhter Planungsaufwand.
Kritische Breaking Changes im Überblick
| Bereich | Breaking Change | Risikobewertung |
|---|---|---|
| Linked Servers | Verschlüsselung wird erzwungen. OLE DB Driver < 19 kann verbinden, aber Konfigurationen können fehlschlagen. Zertifikate erforderlich. | Hoch |
| Replikation | Transaktional-, Snapshot- und Merge-Replikation mit Remote-Distributor schlägt fehl, wenn kein Vertrauenszertifikat konfiguriert ist. | Hoch |
| Full-Text Search | Legacy Word Breaker entfernt. Bestehende FTS-Indizes (Version 1) müssen neu aufgebaut werden. Sofortige Fehler nach Upgrade möglich. | Mittel |
| Log Shipping | Änderungen an der Verschlüsselung können Log Shipping-Konfigurationen beeinflussen. | Mittel |
| Verbindungsstrings | Encrypt=False wird abgelehnt. Alle Anwendungen, die unverschlüsselte Verbindungen verwenden, schlagen nach dem Upgrade fehl. |
Hoch |
Empfohlenes Vorgehen für Banken
- Inventur aller Verbindungsstrings in allen Anwendungen – Identifikation von
Encrypt=False-Konfigurationen - Audit aller Linked Server: Treiber-Version, Zertifikatsstatus, verwendete Datenquellen
- Replikations-Topologie dokumentieren: Alle Publisher/Subscriber/Distributor-Konstellationen und deren Zertifikatsstatus
- Full-Text Search Index-Inventur: Welche Systeme nutzen FTS? Plan für Neuaufbau der Indizes nach Upgrade
- Staging-Upgrade in isolierter Umgebung mit realen (anonymisierten) Daten vor Produktions-Upgrade
- Rollback-Plan: Datenbankkompatibilitätslevel kann nach dem Upgrade auf den Vorwert gesetzt werden – begrenzte, aber nutzbare Fallback-Option
Das Upgrade auf SQL Server 2025 erfordert im Bankenumfeld mehr Vorbereitung als typische Minor-Upgrades.
Die Breaking Changes bei Verschlüsselung und Verbindungen sind im Bankenumfeld mit vielen heterogenen Systemverbindungen (Kernbanksystem, Meldewesen, Data Warehouse, Archiv) besonders kritisch. Ein ungeplantes Fehlschlagen von Linked Servers oder Replikation kann Meldeketten und Echtzeit-Settlementprozesse unterbrechen – mit regulatorischen Konsequenzen.
Empfehlung: Upgrade nicht vor Ende 2026 in Produktionsumgebungen anstreben, um ausreichend Erfahrungsberichte aus der Community und Patches im CU-Zyklus abzuwarten. Die Sicherheitsverbesserungen rechtfertigen mittelfristig das Upgrade, erfordern aber eine sorgfältige, mehrstufige Migration.
Bewertungsmatrix – SQL Server 2025 im Bankenumfeld
Die folgende Matrix fasst die Bewertung der wesentlichen Neuerungen für das Bankenumfeld zusammen. Die Spalte „Soforteinsatz" bezieht sich auf eine produktive Nutzung unmittelbar nach einem Upgrade auf SQL Server 2025.
| Feature | Soforteinsatz | Mittelfristig | Haupthindernis |
|---|---|---|---|
| TLS 1.3 / Verschlüsselung | Hoch | Sehr hoch | Breaking Changes bei Linked Servers/Replikation – Migrationsaufwand |
| Entra ID / Zero Trust | Mittel | Hoch | Active Directory / Entra-Integration muss vorhanden sein |
| PBKDF Passwortschutz | Hoch | Hoch | Kein – wirkt automatisch für SQL-Logins |
| OPPO / IQP-Erweiterungen | Hoch | Hoch | Erfordert Kompatibilitätslevel 170 |
| ZSTD Backup-Kompression | Hoch | Hoch | Kein – einfache Syntax-Änderung |
| Columnstore-Verbesserungen | Hoch | Hoch | Nur relevant wenn Columnstore bereits im Einsatz |
| Always On Verbesserungen | Hoch | Hoch | Kein – transparente Verbesserung |
| RegEx in T-SQL | Mittel | Hoch | Erfordert Anpassung bestehender Validierungslogik |
| Native JSON-Indizes | Mittel | Mittel | Nur wenn JSON-basierte Datenmodelle vorhanden |
| Vektor-Datentyp (GA) | Mittel | Mittel | Fehlende Indexunterstützung (noch Preview) |
| Vektorsuche / DiskANN (Preview) | Gering | Mittel | Preview-Status; Datenschutz bei externen Modellaufrufen |
| Externe KI-Modelle (EXTERNAL MODEL) | Gering | Mittel | Datenschutz, DSGVO, BAIT bei Cloud-Modellen |
| Fabric Mirroring / Event Streaming | Gering | Mittel | Azure-Datenhaltung, Compliance-Freigabe erforderlich |
| SSRS → Power BI Report Server | Gering | Mittel | Migrationsaufwand; SSRS-Ablösung erst mittelfristig nötig |