SQL Server 2025 –
Die DBA-Perspektive
Kein Marketing, keine KI-Euphorie – dieser Artikel bewertet SQL Server 2025 aus der täglichen Arbeit des Datenbankadministrators: Installation, Konfiguration, AlwaysOn, Query-Tuning und Betrieb.
SQL Server 2025 (17.x) kam im November 2025 auf den Markt. Microsoft bewirbt es als das wichtigste Release seit SQL Server 2016 – hauptsächlich wegen der KI-Integration. Für einen Datenbankadministrator, der täglich Instanzen aufsetzt, wartet, Verfügbarkeitsgruppen betreut und Performance-Probleme löst, zählen andere Dinge: Was hat sich an der Installation geändert? Welche neuen Konfigurationsoptionen gibt es? Was bedeuten die AlwaysOn-Verbesserungen konkret im Betrieb?
Dieser Artikel beantwortet diese Fragen – mit konkreten T-SQL-Beispielen, ehrlichen Bewertungen und Hinweisen auf das, was beim Upgrade Schmerz bereiten kann.
Setup & Installation – was sich geändert hat
Der Setup-Prozess selbst ist strukturell vertraut. Wer SQL Server 2019 oder 2022 installiert hat, findet sich sofort zurecht. Es gibt jedoch einige inhaltliche Änderungen, die vor der Installation bekannt sein sollten.
Mindestanforderungen
| Komponente | Mindestanforderung | Praxisempfehlung |
|---|---|---|
| Betriebssystem | Windows Server 2019 / Windows 10 | Windows Server 2022 oder 2025 |
| Prozessor | 1,4 GHz x64 | Multi-Core, aktuelle Generation |
| RAM | 1 GB (Engine) | ≥ 16 GB Produktion; ≥ 64 GB für OLAP/AG |
| Speicher (System) | 6 GB | SSD für System, NVMe für Datenbankdateien |
| .NET Framework | 4.7.2 | Aktuelle Version empfohlen |
Neue Editionsstruktur beim Setup
Erstmals gibt es für die Developer Edition eine Aufteilung: Standard Developer und Enterprise Developer. Das ist ein echter Gewinn für Entwicklungs- und Testumgebungen – bisher war Developer immer Enterprise-Funktionsumfang, was dazu führte, dass Features genutzt wurden, die in der Produktions-Standard-Edition nicht verfügbar waren.
Azure Extension – standardmäßig aktiviert, oft nicht gewünscht
Der Installer bietet standardmäßig die Azure Extension für SQL Server an (für Azure Arc-Integration). In reinen on-premises Umgebungen ohne Azure Arc sollte dieser Schritt deaktiviert werden. Die Extension ist nicht gefährlich, erzeugt aber unnötige Netzwerkverbindungen nach außen und erfordert Azure-Zugangsdaten, die in vielen Unternehmen nicht vorhanden oder erlaubt sind.
Entfernte Features beim Setup
Folgende Komponenten sind aus dem Installer entfernt und können nicht mehr installiert werden:
- Data Quality Services (DQS) – eingestellt
- Master Data Services (MDS) – eingestellt
- Synapse Link – eingestellt
- SQL Server Reporting Services (SSRS) – ersetzt durch Power BI Report Server
- Machine Learning Services Packages (R/Python als eigenständiger Installer-Schritt) – neu strukturiert
Unbeaufsichtigte Installation mit Konfigurationsdatei
; SQL Server 2025 – Konfigurationsdatei für unbeaufsichtigte Installation [OPTIONS] ACTION = "Install" FEATURES = SQLENGINE,REPLICATION,FULLTEXT,IS INSTANCENAME = "MSSQLSERVER" SQLSVCACCOUNT = "NT Service\MSSQLSERVER" SQLSYSADMINACCOUNTS = "DOMAIN\DBAGruppe" AGTSVCACCOUNT = "NT Service\SQLSERVERAGENT" AGTSVCSTARTUPTYPE = "Automatic" TCPENABLED = 1 NPENABLED = 0 BROWSERSVCSTARTUPTYPE = "Disabled" SECURITYMODE = "SQL" ; Nur wenn Mixed Mode benötigt SQLCOLLATION = "Latin1_General_CI_AS" INSTALLSQLDATADIR = "D:\SQLData" SQLUSERDBDIR = "D:\SQLData" SQLUSERDBLOGDIR = "E:\SQLLog" SQLTEMPDBDIR = "F:\SQLTempDB" SQLTEMPDBLOGDIR = "F:\SQLTempDB" SQLTEMPDBFILECOUNT = 8 ; 1 pro logischem CPU-Kern, max 8 AZUREEXTENSION = 0 ; Azure Extension deaktivieren ; Installation starten: ; setup.exe /ConfigurationFile=ConfigurationFile.ini /IACCEPTSQLSERVERLICENSETERMS
Vertraute Oberfläche, wichtige inhaltliche Änderungen. Der größte Aufwand beim ersten Setup ist die Prüfung, ob vorhandene Installations-Skripte und Konfigurationsdateien noch passen. Besonders die Azure Extension und die entfallenen Komponenten (DQS, MDS, SSRS) können in automatisierten Build-Prozessen Fehler verursachen, wenn die Skripte nicht aktualisiert werden.
Die neue Standard/Enterprise Developer-Trennung ist eine echte Verbesserung – ein Punkt, auf den DBAs seit Jahren gewartet haben.
Konfiguration – was nach der Installation angepasst werden muss
SQL Server 2025 kommt mit einigen geänderten Standardwerten aus der Box. Das Ziel ist „Secure by Default" – was bedeutet, dass restriktivere Defaults gesetzt sind als in Vorgängerversionen. Für DBAs heißt das: Bestehende Konfigurationsroutinen müssen geprüft werden.
Datenbankkompatibilitätslevel
Neu erstellte Datenbanken erhalten automatisch Kompatibilitätslevel 170. Bestehende Datenbanken behalten nach einem Upgrade ihren bisherigen Level. Viele der neuen Performance-Features (OPPO, erweiterte IQP-Funktionen) sind an Level 170 gebunden.
-- Aktuellen Level aller Benutzerdatenbanken anzeigen SELECT name, compatibility_level, CASE compatibility_level WHEN 170 THEN 'SQL Server 2025' WHEN 160 THEN 'SQL Server 2022' WHEN 150 THEN 'SQL Server 2019' ELSE 'Älter' END AS Version FROM sys.databases WHERE database_id > 4 -- Systemdatenbanken ausschließen ORDER BY name; -- Level auf SQL Server 2025 anheben (nach Test!) ALTER DATABASE MeineDatenbank SET COMPATIBILITY_LEVEL = 170;
TempDB – Best Practices bleiben, neue Governance kommt
Die TempDB-Empfehlungen (eine Datei pro logischem CPU-Kern, max. 8, gleiche Größe, Autogrowth deaktivieren) gelten unverändert. Neu in SQL Server 2025 ist die TempDB Space Resource Governance: DBAs können jetzt prozentuale Obergrenzen für TempDB-Nutzung pro Session oder Workload-Gruppe setzen. Das verhindert, dass einzelne unkontrollierte Abfragen die TempDB volllaufen lassen.
-- Workload-Gruppe mit TempDB-Limit erstellen CREATE WORKLOAD GROUP BegrenzteTempDBNutzung WITH ( TEMPDB_MEMORY_PERCENT = 20 -- Max. 20% der TempDB für diese Gruppe ) USING 'default'; -- Bestehende Gruppe anpassen ALTER WORKLOAD GROUP [default] WITH (TEMPDB_MEMORY_PERCENT = 80); -- Resource Governor neu laden ALTER RESOURCE GOVERNOR RECONFIGURE;
Protokoll-Konfiguration – TCP/IP prüfen
Der Installer aktiviert TCP/IP-Verbindungen standardmäßig. Named Pipes sollten für Server-zu-Server-Kommunikation deaktiviert bleiben. Browser-Dienst ist bei bekannten Ports ebenfalls nicht erforderlich und sollte deaktiviert sein.
Query Store – jetzt automatisch auf Sekundärrepliken
Query Store ist jetzt standardmäßig auch auf lesbaren Sekundärrepliken im Read-Write-Modus aktiv. Das bedeutet: Execution Plans und Performance-Daten werden auch für Lesezugriffe auf Sekundärrepliken erfasst – ohne manuellen Eingriff.
-- Query Store Status und Konfiguration prüfen SELECT actual_state_desc, desired_state_desc, readonly_reason, current_storage_size_mb, max_storage_size_mb, query_capture_mode_desc, size_based_cleanup_mode_desc FROM sys.database_query_store_options; -- Query Store für eine Datenbank aktivieren / konfigurieren ALTER DATABASE [MeineDatenbank] SET QUERY_STORE = ON ( OPERATION_MODE = READ_WRITE, CLEANUP_POLICY = (STALE_QUERY_THRESHOLD_DAYS = 30), MAX_STORAGE_SIZE_MB = 1024, QUERY_CAPTURE_MODE = AUTO, SIZE_BASED_CLEANUP_MODE = AUTO );
TempDB Governance ist ein echter Gewinn für alle, die Multi-Tenant-Systeme oder analytische Abfragen neben OLTP betreiben. Die Möglichkeit, TempDB-Nutzung per Workload-Gruppe zu begrenzen, war längst überfällig – bisher musste man mit Resource Governor indirekt steuern oder Abfragen manuell abbrechen.
Query Store auf Sekundärrepliken ist für DBAs, die Lese-Workloads auf AG-Sekundäre ausgelagert haben, unmittelbar wertvoll: Endlich können Performance-Probleme auf Sekundärrepliken direkt diagnostiziert werden, ohne Umwege über den Primary.
Sicherheit – was DBAs direkt betrifft
SQL Server 2025 ist das erste Release, das konsequent das Zero-Trust-Prinzip umsetzt – nicht als Marketing-Begriff, sondern als konkrete Änderung an Standardwerten und Protokollen. Einige dieser Änderungen sind Breaking Changes, die ohne Vorbereitung Verbindungsausfälle verursachen.
TLS 1.3 und TDS 8.0 – Verschlüsselung ist jetzt Standard
Alle neuen SQL Server 2025-Instanzen akzeptieren standardmäßig nur noch verschlüsselte Verbindungen (Encrypt=True ist Default). Verbindungsstrings ohne explizite Verschlüsselung werden abgelehnt. Das Protokoll dahinter ist TDS 8.0 mit TLS 1.3 – die Verschlüsselung beginnt bereits in der Pre-Login-Phase, nicht erst nach dem Handshake.
Encrypt=False oder ohne explizites Encrypt-Flag verbinden, schlagen nach dem Upgrade auf SQL Server 2025 fehl. Das betrifft häufig: ältere ODBC-Verbindungen, SQL Server Management Studio-Verbindungen ohne Encrypt-Option, Linked Server-Konfigurationen mit OLE DB Driver < 19, und jede Anwendung, die ältere Verbindungsbibliotheken nutzt.
Granulares Security Cache Invalidation
Bisher wurde beim Ändern von Berechtigungen für einen Login der gesamte Server-Security-Cache invalidiert. Auf Systemen mit 20.000+ parallelen Verbindungen führte das zu messbaren Performance-Einbrüchen. SQL Server 2025 invalidiert nur noch den Cache des betroffenen Logins – alle anderen Verbindungen sind nicht betroffen.
-- In SQL Server 2025: nur L1-Cache wird invalidiert, L2 bleibt unberührt GRANT SELECT ON dbo.Transaktionen TO [L1]; -- Sicherheits-Cache-Status einsehen (neue DMV in 2025) SELECT login_name, cache_invalidation_count, last_invalidation_time FROM sys.dm_exec_security_cache_stats ORDER BY cache_invalidation_count DESC;
PBKDF2 für SQL-Logins
Passwörter für SQL Server Authentication Logins werden jetzt mit PBKDF2 (RFC 2898) und 100.000 Iterationen gehasht statt mit dem bisherigen einfachen SHA-512-Hash. Das macht Brute-Force-Angriffe auf gestohlene Password-Hashes um Größenordnungen langsamer. Der Wechsel erfolgt automatisch – bestehende Logins werden beim nächsten Passwortänderung migriert.
Neue Datenbankrollen für spezifische Aufgaben
SQL Server 2025 führt granulare, vordefinierte Datenbankrollen für neue Aufgabenbereiche ein – u.a. für externe REST-API-Aufrufe und KI-Modell-Ausführung. Das ermöglicht es DBAs, das Least-Privilege-Prinzip auch für moderne Workloads durchzusetzen, ohne sysadmin-Rechte vergeben zu müssen.
Verbindungs-Inventur vor dem Upgrade
-- Alle aktuell aktiven Verbindungen und deren Verschlüsselungsstatus SELECT s.session_id, s.login_name, s.program_name, s.host_name, c.encrypt_option, c.auth_scheme, c.net_transport, c.protocol_version FROM sys.dm_exec_sessions s INNER JOIN sys.dm_exec_connections c ON s.session_id = c.session_id WHERE s.is_user_process = 1 AND c.encrypt_option = 'FALSE' -- Nur unverschlüsselte Verbindungen ORDER BY s.login_name;
TLS 1.3 als Standard ist längst überfällig – aber der Weg dorthin erfordert sorgfältige Vorbereitung. Die Verbindungs-Inventur (Abfrage oben) sollte auf jedem System ausgeführt werden, das auf SQL Server 2025 migriert werden soll, bevor das Upgrade angestoßen wird.
Die granulare Security Cache Invalidation ist besonders in OLTP-Systemen mit vielen parallelen Sessions ein konkreter Betriebsgewinn – Berechtigungsänderungen können jetzt ohne Betriebsunterbrechung durchgeführt werden.
Checkliste vor dem Upgrade:
- Alle Verbindungsstrings auf
Encrypt=Trueprüfen - OLE DB Driver Version auf allen beteiligten Systemen prüfen (≥ 19 erforderlich)
- Linked Server-Konfigurationen und Zertifikatstatus inventarisieren
- Replikations-Topologie auf Remote-Distributor prüfen
AlwaysOn – konkrete Verbesserungen für den AG-Betrieb
SQL Server 2025 bringt die umfangreichsten AlwaysOn-Verbesserungen seit der Einführung von Availability Groups in SQL Server 2012. Viele Änderungen adressieren direkt Probleme, über die DBAs in der Community seit Jahren diskutieren.
Vollständige Backups auf Sekundärrepliken
Bisher konnten auf Sekundärrepliken nur Copy-Only-Backups erstellt werden. SQL Server 2025 erlaubt jetzt vollständige, differentielle und Log-Backups auf Sekundärrepliken. Das entlastet den Primary erheblich und ermöglicht eine echte Verteilung der Backup-Last.
-- Backup-Präferenz auf Sekundärreplika setzen ALTER AVAILABILITY GROUP [AG_Produktion] MODIFY BACKUP_PRIORITY = 50 -- 0=Primary, 50=Bevorzugt Secondary, 100=Nur Secondary ON SECONDARY; -- Vollständiges Backup auf aktivem Sekundärreplika (SQL Server 2025) BACKUP DATABASE [MeineDatenbank] TO DISK = N'\\backup\MeineDatenbank_Full.bak' WITH COMPRESSION, ALGORITHM = 'ZSTD', -- Neuer Kompressionsalgorithmus CHECKSUM, STATS = 10; -- Differentielles Backup auf Sekundärreplika (neu in 2025) BACKUP DATABASE [MeineDatenbank] TO DISK = N'\\backup\MeineDatenbank_Diff.bak' WITH DIFFERENTIAL, COMPRESSION, ALGORITHM = 'ZSTD', CHECKSUM;
Schnelleres Failover durch Log-Record-Caching
Ein neuer Caching-Mechanismus beschleunigt das Replay von Log-Records auf Sekundärrepliken während und nach einem Failover. Sekundärrepliken müssen weniger Zeit für das Aufholen nach einem Failover aufwenden – die effektive Failover-Zeit sinkt. Das ist besonders relevant für AGs mit hohem Transaktionsvolumen, wo Sekundärrepliken bisher nach einem Failover messbar nachhinken konnten.
TLS 1.3 für AG-interne Kommunikation
Die Kommunikation zwischen Repliken kann jetzt ebenfalls auf TLS 1.3 / TDS 8.0 erzwungen werden. Bei neuen AGs kann das direkt beim Erstellen konfiguriert werden; bei bestehenden AGs nach dem Upgrade.
-- Neue AG mit TLS 1.3-Verschlüsselung erstellen CREATE AVAILABILITY GROUP [AG_Secure] WITH ( CLUSTER_TYPE = WSFC, CLUSTER_CONNECTION_OPTIONS = 'Encrypt=Strict', -- Neu in 2025 AUTOMATED_BACKUP_PREFERENCE = SECONDARY, DB_FAILOVER = ON ) FOR DATABASE [MeineDatenbank] REPLICA ON 'SQL01' WITH ( ENDPOINT_URL = 'TCP://sql01.intern:5022', AVAILABILITY_MODE = SYNCHRONOUS_COMMIT, FAILOVER_MODE = AUTOMATIC ), 'SQL02' WITH ( ENDPOINT_URL = 'TCP://sql02.intern:5022', AVAILABILITY_MODE = SYNCHRONOUS_COMMIT, FAILOVER_MODE = AUTOMATIC ); -- Bestehende AG auf Strict Encryption umstellen ALTER AVAILABILITY GROUP [AG_Produktion] MODIFY CLUSTER_CONNECTION_OPTIONS = 'Encrypt=Strict'; -- Anschließend Failover durchführen, damit die Einstellung wirksam wird
Query Store auf Sekundärrepliken – Diagnose wo die Last ist
Query Store ist auf lesbaren Sekundärrepliken jetzt im Read-Write-Modus aktiv. Das bedeutet: Performance-Regressions, schlechte Execution Plans und langsame Abfragen auf Sekundärrepliken können direkt am Ort des Geschehens diagnostiziert werden – nicht mehr nur indirekt über den Primary.
-- Auf Sekundärreplika ausführen – jetzt auch dort im Query Store erfasst SELECT TOP 20 qt.query_sql_text, rs.avg_duration / 1000.0 AS avg_ms, rs.avg_logical_io_reads AS avg_reads, rs.count_executions, qp.query_plan FROM sys.query_store_query_text qt JOIN sys.query_store_query q ON qt.query_text_id = q.query_text_id JOIN sys.query_store_plan qp ON q.query_id = qp.query_id JOIN sys.query_store_runtime_stats rs ON qp.plan_id = rs.plan_id WHERE rs.last_execution_time > DATEADD(HOUR, -1, GETUTCDATE()) ORDER BY rs.avg_duration DESC;
Verbesserte AG-Diagnostik
Microsoft hat neue DMV-Inhalte und Extended Events für die AG-Diagnose hinzugefügt. Failover-Ursachen, Synchronisierungsverzögerungen und Replica-Status lassen sich jetzt detaillierter analysieren als in SQL Server 2022.
-- AG-Gesundheit und Synchronisierungsverzögerung aller Repliken SELECT ag.name AS AG_Name, ar.replica_server_name AS Replika, ars.role_desc AS Rolle, ars.synchronization_health_desc AS SyncHealth, ars.connected_state_desc AS Verbindung, ars.last_commit_time AS LetzterCommit, DATEDIFF(SECOND, ars.last_commit_time, GETDATE()) AS VerzögerungSek FROM sys.availability_groups ag JOIN sys.availability_replicas ar ON ag.group_id = ar.group_id JOIN sys.dm_hadr_availability_replica_states ars ON ar.replica_id = ars.replica_id ORDER BY ag.name, ars.role_desc;
Die AlwaysOn-Verbesserungen sind aus DBA-Sicht das Herzstück von SQL Server 2025. Vollständige Backups auf Sekundärrepliken allein rechtfertigen für viele AG-Umgebungen das Upgrade: Die Backup-Last des Primary sinkt, Backup-Fenster können optimiert werden, und die Restore-Kette wird einfacher.
Query Store auf Sekundärrepliken löst ein seit Jahren bekanntes diagnostisches Problem: Lesezugriffe auf AGs liefen bisher in einem Diagnose-Blindfleck. Das ändert sich mit 2025 fundamental.
Einziger Vorbehalt: TLS 1.3 für AG-interne Kommunikation erfordert, dass auf allen Repliken gültige Zertifikate konfiguriert sind. Das ist Voraussetzung und kein optionaler Schritt – ohne Zertifikate schlägt das Umstellen auf Encrypt=Strict fehl.
Performance – was ohne Code-Änderung wirkt
SQL Server 2025 enthält mehr als 40 Engine-Verbesserungen. Einige wirken automatisch nach dem Upgrade, andere sind an den Kompatibilitätslevel 170 gebunden. Der wichtigste Grundsatz: nichts ändert sich ohne Test – auch vermeintlich transparente Optimierungen können in seltenen Fällen Regressionen verursachen.
OPPO – Parametersniffing endlich addressiert
Optional Parameter Plan Optimization (OPPO) ist die Antwort auf ein der häufigsten Performance-Beschwerden: der gecachte Plan für eine Abfrage passt nicht zu den aktuellen Parameterwerten. Bisher musste man mit OPTION (RECOMPILE), Stored Procedure-Restrukturierung oder Query Store-Erzwingungen arbeiten. OPPO ermöglicht es dem Optimizer, für bestimmte Parameterwert-Konstellationen dynamisch einen besseren Plan zu wählen.
-- Workaround: RECOMPILE erzwingen SELECT * FROM dbo.Transaktionen WHERE KundeID = @KID AND Datum > @VonDatum OPTION (RECOMPILE); -- Nachteil: kein Plan-Caching, -- hohe Kompilierungskosten
-- OPPO wirkt automatisch bei Level 170 -- Optimizer wählt Plan basierend auf -- tatsächlichen Parameterwerten SELECT * FROM dbo.Transaktionen WHERE KundeID = @KID AND Datum > @VonDatum; -- Kein RECOMPILE nötig, -- kein Code-Eingriff
TID-Locking und Lock-After-Qualification (LAQ)
SQL Server 2025 führt Transaction ID (TID) Locking ein: Locks werden nicht mehr per Zeilenreferenz, sondern per Transaktions-ID verwaltet. Das reduziert Lock-Memory-Overhead und senkt LCK_M_IX-Wait-Zeiten unter Last messbar. Lock-After-Qualification (LAQ) verzögert das Setzen von Locks bis nach der Prädikat-Auswertung – weniger Zeilen werden unnötig gesperrt.
Accelerated Database Recovery (ADR) jetzt auch für TempDB
ADR – eingeführt in SQL Server 2019 für Benutzerdatenbanken – ist jetzt auch für TempDB aktiv. Das reduziert die Menge an Version-Store-Daten in TempDB und verbessert die Recovery-Zeit nach unerwarteten Abbrüchen von langen Transaktionen.
Optimiertes sp_executesql
Dynamisches SQL über sp_executesql konnte in früheren Versionen Kompilierungsstürme verursachen, weil jeder Aufruf als einzigartig behandelt wurde. SQL Server 2025 serialisiert Kompilierungen ähnlich wie bei Stored Procedures – deutlich weniger CPU-Overhead bei häufig ausgeführtem dynamischem SQL.
Columnstore-Verbesserungen
Ordered Non-Clustered Columnstore Indexes erlauben jetzt eine definierte Sortierung. Online-Index-Builds sind schneller, und das Shrinking von Dateien mit Columnstore-Indizes blockiert nicht mehr für lange Zeiträume.
-- Geordneter Non-Clustered Columnstore Index (neu in SQL Server 2025) -- Verbessert analytische Abfragen mit ORDER BY erheblich CREATE NONCLUSTERED COLUMNSTORE INDEX NCCI_Transaktion_Datum ON dbo.Transaktion (KundeID, BetragEur, TransDatum) ORDER (TransDatum) -- Sortierung für Zeitreihenabfragen WITH (ONLINE = ON); -- Verifikation: Fragmentierung und Zeilengruppen-Qualität SELECT i.[name] AS Indexname, css.row_group_id, css.state_desc, css.total_rows, css.deleted_rows, css.size_in_bytes / 1024 AS GroesseKB FROM sys.column_store_segments css INNER JOIN sys.indexes i ON css.object_id = i.object_id AND css.index_id = i.index_id WHERE i.[name] = 'NCCI_Transaktion_Datum' ORDER BY css.row_group_id;
OPPO und TID-Locking sind die zwei wichtigsten Performance-Verbesserungen für den täglichen Betrieb. OPPO wirkt ohne Code-Änderung auf stark parameterisierte Workloads – typisch für OLTP-Systeme. TID-Locking reduziert Blocking-Probleme auf hochfrequentierten Tabellen.
Wichtig: Performance-Verbesserungen durch den Optimizer können in Ausnahmefällen auch Regressionen für einzelne Abfragen verursachen, die bisher von einem suboptimalen Plan profitierten. Ein Query Store-Monitoring vor und nach dem Upgrade auf Kompatibilitätslevel 170 ist Pflicht.
Für ADR in TempDB: Der Feature ist aktiviert, sobald TempDB verwendet wird. Keine Konfiguration nötig – aber ein Neustart nach dem Upgrade aktiviert es vollständig.
Backup & Restore – ZSTD und neue Optionen
SQL Server 2025 führt den ZSTD-Kompressionsalgorithmus für Backups ein und ergänzt die bestehende Backup-Kompression erheblich. Für DBAs, die täglich Backup-Strategien verantworten, ist das die greifbarste sofort nutzbare Verbesserung.
ZSTD vs. bisherige Kompression
| Algorithmus | Kompressionsrate | Geschwindigkeit | SQL Server |
|---|---|---|---|
| Kein (NONE) | — | Schnellst | Alle Versionen |
| MS_XPRESS (Standard) | Mittel | Schnell | 2008+ |
| QAT_DEFLATE | Hoch | Hardware-beschleunigt | 2022+ (mit QAT-Hardware) |
| ZSTD | Hoch – besser als MS_XPRESS | Schnell, kein Hardware-Beschleuniger nötig | 2025+ |
-- Vollbackup mit ZSTD auf Netzwerkshare BACKUP DATABASE [Produktion] TO DISK = N'\\nas01\backup\Produktion_Full_20260419.bak' WITH COMPRESSION, ALGORITHM = 'ZSTD', -- Neu in SQL Server 2025 CHECKSUM, STATS = 5, DESCRIPTION = N'Vollbackup Produktion 2026-04-19'; -- Backup auf Azure Blob Storage mit Managed Identity (kein Passwort) BACKUP DATABASE [Produktion] TO URL = N'https://meinstorage.blob.core.windows.net/backups/Prod.bak' WITH COMPRESSION, ALGORITHM = 'ZSTD', CHECKSUM, CREDENTIAL = N'ManagedIdentityCredential'; -- Keine SAS-Token nötig -- Backup-Integrität prüfen RESTORE VERIFYONLY FROM DISK = N'\\nas01\backup\Produktion_Full_20260419.bak' WITH CHECKSUM;
Backup-Restore-Kompatibilität beachten
MS_XPRESS) oder keine Kompression verwenden. Das ist eine bewusste Designentscheidung, die in der Backup-Strategie dokumentiert werden sollte.
Full-Text Search: Neuaufbau der Indizes nach Upgrade
SQL Server 2025 ersetzt alle Legacy Word Breaker-Binaries durch moderne Implementierungen. Bestehende Full-Text-Indizes werden als Version 1 markiert und können sofort nach dem Upgrade Fehler (Msg 30010) verursachen. Der Neuaufbau der Indizes ist zwingend erforderlich.
-- Alle Full-Text Indizes und deren Version prüfen SELECT OBJECT_NAME(object_id) AS Tabelle, index_version, -- 1 = Legacy (veraltet), 2 = Neu (SQL 2025) full_text_catalog_id, change_tracking_state_desc FROM sys.fulltext_indexes; -- Full-Text Katalog neu befüllen (Version 1 → Version 2) ALTER FULLTEXT CATALOG [MeinKatalog] REBUILD; -- Oder pro Tabelle: ALTER FULLTEXT INDEX ON dbo.Dokumente START FULL POPULATION;
ZSTD ist sofort nutzbar und bringt spürbare Vorteile bei großen Datenbanken. Kleinere Backup-Dateien bedeuten weniger Storage, schnellere Übertragung ans Backup-Ziel und kürzere Backup-Fenster. Für Datenbanken im Bereich mehrerer TB kann ZSTD die Backup-Dauer um 20–40 % gegenüber dem Standard-Algorithmus reduzieren (je nach Datenkomprimierbarkeit).
Der Full-Text Search-Neuaufbau ist der häufigste vergessene Schritt nach einem Upgrade auf SQL Server 2025. Wer Full-Text Search einsetzt, sollte diesen Schritt explizit in die Post-Upgrade-Checkliste aufnehmen und ausreichend Zeit für den Neuaufbau großer FTS-Kataloge einplanen.
Täglicher Betrieb – was der DBA täglich merkt
Abseits der großen Feature-Ankündigungen gibt es in SQL Server 2025 eine Reihe von Verbesserungen, die im Tagesgeschäft des DBA direkt spürbar werden.
In-Memory OLTP deaktivieren ohne Datenverlust
Wer In-Memory OLTP (Hekaton) in einer Datenbank aktiviert hatte und jetzt davon wegmöchte, musste bisher alle speicheroptimierten Tabellen löschen, bevor die Funktion deaktiviert werden konnte. Das verursachte auch Probleme mit VSS-Backups. SQL Server 2025 erlaubt das Deaktivieren von In-Memory OLTP ohne vorheriges Löschen der Objekte.
-- In-Memory OLTP-Filegroup aus Datenbank entfernen (ohne Datenverlust) -- Voraussetzung: keine aktiven Transaktionen auf speicheroptimierten Tabellen ALTER DATABASE [MeineDatenbank] REMOVE FILE [InMemory_Container] WITH (WAIT_AT_LOW_PRIORITY (MAX_DURATION = 5 MINUTES, ABORT_AFTER_WAIT = BLOCKERS)); -- Datenbank-Status nach Entfernung prüfen SELECT name, is_memory_optimized_elevate_to_snapshot_on, FILEGROUPPROPERTY(name, 'IsMemoryOptimized') AS IsMemoryOptimized FROM sys.filegroups;
SSMS 22 – 64-Bit, Git-Integration, Copilot
SQL Server Management Studio 22 ist der Begleit-Client für SQL Server 2025. Wichtigste Neuerungen für den DBA-Alltag:
- 64-Bit-Prozess – kein Speicherlimit mehr bei großen Ergebnismengen und langen Skripten
- Git-Integration – T-SQL-Skripte direkt im SSMS mit Git verwalten
- Copilot (Preview) – natürlichsprachliche Abfragegenerierung und Execution-Plan-Erklärung
- Query Store-Dashboard – deutlich verbesserte Visualisierung von Plan-Regressions
Nützliche neue T-SQL-Funktionen für den Betrieb
-- IS [NOT] DISTINCT FROM – NULL-sicherer Vergleich (kein = NULL Fehler mehr) SELECT * FROM dbo.Konto WHERE Status IS NOT DISTINCT FROM @Status; -- Entspricht: WHERE (Status = @Status) OR (Status IS NULL AND @Status IS NULL) -- GREATEST / LEAST über mehrere Spalten SELECT KontoID, GREATEST(Limit1, Limit2, ÜberzugsLimit) AS MaxLimit, LEAST (Zins1, Zins2, MinZins) AS MinZins FROM dbo.Konditionen; -- RegEx: IBAN-Format validieren SELECT KontoID, IBAN, REGEXP_LIKE(IBAN, N'^[A-Z]{2}\d{2}[A-Z0-9]{4}\d{7}[A-Z0-9]{0,16}$') AS IBANFormatOK FROM dbo.Bankverbindung; -- PRODUCT()-Aggregat für Zinseszinsberechnung SELECT PortfolioID, PRODUCT(1 + MonatsRendite) - 1 AS KumulierteRendite FROM dbo.Monatsrenditen GROUP BY PortfolioID; -- BASE64_ENCODE / BASE64_DECODE für sichere Übertragung SELECT BASE64_ENCODE(CAST('Geheimtext' AS VARBINARY(100))) AS Encoded, CAST(BASE64_DECODE('R2VoZWltdGV4dA==') AS VARCHAR(100)) AS Decoded;
Das Deaktivieren von In-Memory OLTP ohne Drop ist eine dieser kleinen Verbesserungen, über die jeder DBA, der jemals damit kämpfte, aufatmet. Ebenso IS DISTINCT FROM: ein NULL-sicherer Vergleichsoperator, der eine ganze Klasse von subtilen Abfragefehlern verhindert.
SSMS 22 als 64-Bit-Anwendung ist ein Pflicht-Upgrade für DBAs, die mit großen Abfragen oder langen Skripten arbeiten. Die Git-Integration ist für Teams, die Skripte in Versionsverwaltung pflegen, ein ernstzunehmender Produktivitätsgewinn.
Deprecated & entfernt – was weg ist
SQL Server 2025 entfernt und depreciert mehr Features als ein typisches Minor-Release. DBAs müssen diese Liste gegen ihre aktuelle Umgebung abgleichen.
| Feature | Status | Auswirkung | Alternative |
|---|---|---|---|
| Data Quality Services (DQS) | Entfernt | Kann nicht mehr installiert werden | Azure Purview / eigene Validierungslogik |
| Master Data Services (MDS) | Entfernt | Kann nicht mehr installiert werden | Azure Purview |
| SQL Server Reporting Services (SSRS) | Kein neues Release | SQL Server 2022 war letztes SSRS-Release | Power BI Report Server |
| Web Edition | Entfernt | SQL Server 2022 Web ist letztes Release (Support bis 2033) | Standard Edition oder Azure SQL |
| Lightweight Pooling (Fiber Mode) | Deprecated | Wird in zukünftiger Version entfernt | Kein Ersatz – Feature war seit Jahren nutzlos |
| SQL Mail / sp_makewebtask | Entfernt | Legacy-Stored-Procedures nicht mehr vorhanden | Database Mail |
| Hot-Add CPU | Deprecated | Feature war auf spezifische Hardware beschränkt | VM-Resize (in Cloud-Umgebungen) |
| Synapse Link / Purview Access Policies | Entfernt | Feature wurde mit SQL Server 2022 eingeführt und sofort wieder eingestellt | Fabric Mirroring |
Upgrade-Empfehlung – wann, wie, in welcher Reihenfolge
SQL Server 2025 ist ein überzeugendes Release – die AlwaysOn-Verbesserungen, ZSTD, OPPO und die Sicherheitsverbesserungen sind reale Mehrwerte für den Betrieb. Aber: Breaking Changes bei Verschlüsselung und Verbindungen erfordern sorgfältige Vorbereitung.
Empfohlene Upgrade-Reihenfolge
- Inventur durchführen: Alle Verbindungsstrings, Linked Server, Replikations-Topologien, FTS-Indizes und verwendete Features dokumentieren
- Entwickler-Edition upgraden: SQL Server 2025 Enterprise/Standard Developer in der Entwicklungsumgebung installieren – erste Erfahrungen sammeln
- Staging-Upgrade mit echten Daten: Anonymisierte Produktionsdaten einspielen, alle Anwendungen testen, Breaking Changes identifizieren
- Auf CU1 warten: Das erste Cumulative Update (CU1 erschien Frühjahr 2026) schließt bekannte RTM-Lücken. Für Produktion empfiehlt sich mindestens CU1
- Verbindungsstrings anpassen: Alle Anwendungen auf
Encrypt=Trueumstellen, Zertifikate für Linked Server konfigurieren - FTS-Indizes neu aufbauen: Nach dem Upgrade sofort, nicht aufschieben
- Kompatibilitätslevel schrittweise anheben: Erst Instanz upgraden, Betrieb stabilisieren, dann Datenbanken auf Level 170 migrieren
- SSMS 22 installieren: Parallel möglich – kein Deinstallieren von SSMS 18/19 erforderlich
Pre-Upgrade-Checkliste
- Verbindungsstrings Inventur: Alle
Encrypt=False-Verbindungen identifiziert und auf True umgestellt? - OLE DB Driver: Alle Anwendungsserver und Linked-Server-Quellen auf OLE DB Driver ≥ 19 aktualisiert?
- Linked Server Zertifikate: Trusted Certificates für alle Linked-Server-Verbindungen konfiguriert?
- Replikation: Remote-Distributor mit gültigem Zertifikat versehen oder
trust_distributor_certificate=yesgesetzt? - Full-Text Search: FTS-Kataloge und Rebuild-Plan nach Upgrade vorbereitet?
- Entfernte Features: DQS, MDS, SSRS, SQL Mail in der Umgebung aktiv? Migrationsplan vorhanden?
- AG-Zertifikate: Für geplante TLS 1.3 AG-Kommunikation: Zertifikate auf allen Repliken installiert?
- Rollback-Plan: Datenbankkompatibilitätslevel als Fallback-Option definiert? Backup-Strategie für Pre-Upgrade-Zustand?